Wie wird man eigentlich Schlüsseldienst?

 

Einen klassischen Ausbildungsweg gibt es bei Schlüsseldiensten nichtEinen Ausbildungsweg im klassischen Sinne sucht man beim Beruf Schlüsseldienst vergeblich. Das Berufsbild ist durch das Fehlen einer geschützten Berufsbezeichnung sehr facettenreich. Historisch gehen Schlüsseldienste noch am ehesten auf die Zunft der Schlosser zurück. Die heutzutage bekannte Branche gibt es in dieser Form erst seit etwa 50 Jahren. In den 1960er Jahren etablierten sich in den allerorts entstehenden Einkaufshäusern sogenannte Schnellschuster, die oft auch als Schlüsselschneidstellen – also Handwerker, die Schlüssel nachmachen – arbeiteten. Im Laufe der Zeit etablierte sich dann der Begriff Schlüsseldienst, da das Schuhmacher-Handwerk durch den allgemein steigenden Konsum – Neukauf statt Reparatur kam in Mode – allmählich immer weiter zurückgedrängt wurde. Dennoch sind auch heute noch die meisten Schlüsseldienste sogenannte Mischdienstleister. Neben dem Schlüsselnotdienst für Türöffnungen werden außerdem Eisenwaren oder Sicherheitstechnik vertrieben, Reparaturen und Montagen rund um das Thema Türschloss angeboten sowie Beratungen zu Einbruchschutz durchgeführt.

Die Kenntnisse und Fähigkeiten, die man als Schlüsseldienst benötigt, werden in Fortbildungen und Seminaren vermittelt. Viele Schlüsseldienste haben aber einen beruflichen Hintergrund im metallverarbeitenden Gewerbe, wie zum Beispiel Schlosser. Da Schlüsseldienste auf einem äußerst dynamischen Markt aktiv sind, auf dem es stete technische Neuerungen gibt, rückt immer mehr mechatronisches wie elektronisches Know-how in den Vordergrund. Neben der Fähigkeit, ein klassisches Türschloss mittels geeignetem Werkzeug zu öffnen, muss ein Schlüsseldienst heute auch vermehrt elektronische Zugangskontrollen verstehen und natürlich öffnen können. Ist man durch verschiedene Fortbildungsmaßnahmen soweit, dass man in der Lage ist, all diese Aufgaben zu bewältigen, so steht grundsätzlich jedem die Möglichkeit offen, seinen eigenen Schlüsseldienst zu eröffnen. Dazu wird bei der Anmeldung beim Gewerbeamt lediglich ein einwandfreies Führungszeugnis benötigt. Dank der EU-weiten Arbeitnehmerfreizügigkeit kann diesen Schritt jeder EU-Bürger gehen – Bürger aus nicht-EU-Staaten benötigen zusätzlich eine Arbeitserlaubnis.

Im internationalen Vergleich zeichnet sich ein ähnliches Bild des Schlüsseldienstberufs ab. Fast nirgends ist Schlüsseldienst eine geschützte Berufsbezeichnung, für die es allgemeingültige Ausbildungsvorschriften gibt. In Österreich beispielsweise – hier ist zusätzlich der Begriff Aufsperrdienst verbreitet – findet sich ebenfalls kein offizieller Beruf „Schlüsseldienst“ im Berufsinformationssystem des Arbeitsmarktservice Österreich.